Waldstätterweg: Von Beckenried zum Rütli
«Ab di Post!» bei bestem Wetter startet unsere Tour am Bahnhof Altdorf. Von dort ging es mit dem Bus nach Beckenried. Die Fahrt ist kurz, und schon nach rund 20 Minuten standen wir bei der Schiffstation Beckenried mit Blick auf den Vierwaldstättersee.
Nochmals Sonnencreme auftragen, Rucksack richten und los ging es.
Wandern entlang der Etappe 7 vom Waldstätterweg
Start in Beckenried
Am Anfang führt der Weg gemütlich entlang der Seepromenade und durch Beckenried Richtung Rütenen. Schon nach wenigen Minuten sieht man die ersten Skulpturen am Weg. Mit dem richtigen Blickwinkel zeigt sich dahinter sogar der Grosse Mythen, der uns später auf der Tour noch öfter begleiten sollte.
Beim Badeplatz Rütenen lohnt sich ein kurzer Halt. Direkt am Wasser steht der mobile Saunawagen «Schwitzchaschtä» bereit, dahinter gibt es schöne Plätze zum Verweilen. Das Wasser war an diesem Tag richtig türkisblau und sehr einladend, um schon nach 30 Minuten Wanderung einen Sprung ins Wasser zu wagen. Wir entschieden uns dagegen, und so ging es für uns weiter entlang der SchweizMobil-Route 98, dem Waldstätterweg. Wir hatten noch einige Kilometer vor uns.
Bei der Freizeitanlage Rütenen lohnt es sich ausserdem, gut herumzuschauen. Die «Ubinas»-Skulptur ist ein echter Blickfang.
Richtung Risletenschlucht
Weiter ging es Richtung Risleten. Dort richtet sich unser Blick nicht mehr nur auf den See, sondern auch hoch hinauf zu den Felswänden. In der Gegend sollen Dinosaurierspuren zu sehen sein. Im Sommer 2000 wurden im Steinbruch Risleten seltsame Vertiefungen entdeckt, die als Dinosaurierspuren gedeutet wurden.
Nach einer kurzen Trinkpause beim Rastplatz ging es weiter zur Risletenschlucht. Ich hatte vorher schon Bilder gesehen, die bereits herrlich aussahen, aber vor Ort war es nochmals viel, viel eindrücklicher: ein echtes Erlebnis.
Das Wasser rauscht kräftig durch die Schlucht, die Luft ist kühl, und man spürt die Feuchtigkeit richtig auf der Haut. Obwohl es ein warmer Frühlingstag war, war dieser Abschnitt eine angenehme Abkühlung.
Impressionen entlang des Waldstätterwegs
Es geht bergauf
Nach der Schlucht wurde der Weg steiler. Spätestens hier merkt man: Gute Schuhe lohnen sich. Wanderschuhe oder Trekkingschuhe mit gutem Profil würde ich für diese Etappe klar empfehlen.
Die nächsten Höhenmeter hatten es in sich, aber sie lohnen sich. Immer wieder öffnen sich schöne Ausblicke Richtung Beckenried und Gersau, auf den Vierwaldstättersee und die umliegenden Berge. Nach einem Anstieg von rund 250 Höhenmetern erreicht man den höchsten Punkt der Wanderung. Dank der Etappe im Wald bleibt die Temperatur aber sehr angenehm.
Wieder etwas mehr geradeaus kamen wir an einer traumhaften Aussichtsstelle mit einer Bank zum Verweilen vorbei. Von dort hat man einen tollen Blick Richtung Kanton Schwyz und auf den Mythen.
Meine Touren-Highlights
Risleten-Schlucht
Ein eindrücklicher Abschnitt mit viel Wasser, kühler Luft und starker Stimmung
Vierwaldstättersee
Immer wieder gibt es schöne Blicke auf den Vierwaldstättersee, den Mythen und später ins Urner Reusstal
Schifffahrt
Sehr empfehlenswert und fast schon ein eigenes Erlebnis
Bald wurde der Weg etwas breiter – perfekt, um ein bisschen zu plaudern. Immer wieder hatten wir den prächtigen Vierwaldstättersee, vorbeifahrende Schiffe und Wassersportler im Blick.
Raus aus dem Wald liefen wir an einer frisch gemähten Wiese vorbei. Der Geruch von Gras, Kuhglocken in der Nähe und Sonne im Gesicht, etwas Besonderes.
Auf diesem Abschnitt geht man auch über landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Deshalb gilt: Zäune wieder schliessen, auf den Wegen bleiben und Abfall mitnehmen.
Neben Wiesen, Wald und Seeblick begegnet man hier auch einem kleinen Stück Verkehrsgeschichte. Einst war eine linksufrige Bahnverbindung von Luzern nach Altdorf geplant. Gebaut wurde sie nie, geblieben ist eine spannende Geschichte am Wegesrand. Meine Kollegin und ich sind uns beide einig, genau solche kleinen Entdeckungen machen den Weg besonders spannend.
Wald, Wiesen und Seeblick
Als Nächstes kamen wir in die Ortschaft Volligen, die zur Gemeinde Seelisberg gehört. Dort führt der Weg direkt am Restaurant Volligen vorbei. Die grosse Sonnenterrasse sieht sehr einladend aus, ein guter Ort für eine Pause, wenn man genügend Zeit einplant. Eine Reservation im Voraus lohnt sich an solchen Sonnentagen ausserdem.
Inzwischen waren wir also in Uri angekommen. Auf einer schmalen Strasse ging es weiter Richtung Treib. Der Blick wurde nochmals richtig schön: auf den Mythen, auf Morschach, auf den Bristen und ins Urner Reusstal.
Bei Treib hätte man zur Talstation gehen und mit der Standseilbahn nach Seelisberg hochfahren können. Wir entschieden uns aber, dem Waldstätterweg weiter Richtung Rütli zu folgen.
Volligen und weiter Richtung Treib
Weiter Richtung Rütli führte der Weg nochmals durch den Wald. Dort trifft man auch auf Grenzsteine des Wegs der Schweiz. Diese Steine markieren die Abschnitte auf der Route und richten sich nach dem Beitrittsjahr der jeweiligen Kantone zur Eidgenossenschaft.
Die Idee dahinter ist spannend: Die Länge der Kantonsabschnitte wurde anhand der Einwohnerzahl berechnet. Pro Person wurden fünf Millimeter Wegstrecke gerechnet. So wird der Weg auch zu einem Symbol für die Schweiz und ihre Kantone.
Kurz vor dem Rütli kommt man zudem an einem der Einstiegsportale des Wegs der Schweiz vorbei. Diese Portale bestehen aus Cristallina-Marmor und stehen seit 2023 bei den Ein- und Ausstiegspunkten.
Und dann taucht auch schon der rote Wegweiser Richtung Schwurplatz auf.
Auf dem Weg zum Rütli
Ankunft auf dem Rütli
Das Rütli ist natürlich ein besonderer Ort. Egal, ob man wegen der Geschichte kommt oder einfach wegen der Aussicht.
Nach der längeren Wanderung war die Terrasse des Rütlihauses sehr willkommen. Eine Pause, etwas trinken und kurz die Beine ausstrecken.
Auf dem Weg zur Schiffstation kommt man auch am Musée Grütli vorbei. Es befindet sich in einer alten Scheune und gilt mit 80 Quadratmetern als kleinstes Museum der Schweiz. Dort geht es um Kultur und Gesellschaft in der Schweiz. Der Zugang ist kostenlos.
Vom Rütli nahmen wir das Schiff zurück Richtung Flüelen. Die Schifffahrt mit dem Dampfschiff Uri (das älteste Schiff der Flotte ist seit 1901 unterwegs), ist fast schon ein eigener Teil des Ausflugs und nochmals ein echtes Erlebnis.
Nach dem Halt in Sisikon fährt man weiter Richtung Tellsplatte. Rundherum hört man immer wieder Leute über Wilhelm Tell sprechen. Eine ältere Dame erzählte einem Jungen, dass Tell hier der Legende nach vom Boot gesprungen sei. Ob es genau so war, wisse man nicht, aber es gehöre einfach zur Schweizer Geschichte.
Kurz darauf sieht man die Tellsplatte. Auch wenn man sie vielleicht schon kennt, ist der Blick vom Schiff aus immer wieder eindrücklich.
Zum Schluss zeigte sich der Urnersee nochmals von seiner schönsten Seite. Die Berge, das Wasser und die Luftseilbahn Oberaxen, die Richtung Flüelen fährt – ein schöner Abschluss.
In Flüelen stiegen wir aus und fuhren mit dem Zug zurück nach Altdorf. Die Beine waren müde, aber der Tag hatte sich definitiv gelohnt.
Rückfahrt mit dem Schiff
Mein Rating (1-10)
Schwierigkeit: 5
Die Etappe ist technisch gut machbar, aber durch die Länge und die Höhenmeter nicht zu unterschätzen. Besonders der Anstieg nach der Risletenschlucht fordert etwas Kondition. Gute Wander- oder Trekkingschuhe sind empfehlenswert.
Kulinarik: 5
Direkt am Weg gibt es nicht sehr viele Einkehrmöglichkeiten. Das Restaurant Volligen und das Rütlihaus bieten sich für eine Pause an. Wer flexibel bleiben möchte, nimmt am besten genügend Wasser und eine kleine Zwischenverpflegung mit.
Erlebnis: 9
Die Tour ist sehr abwechslungsreich: Vierwaldstättersee, Risletenschlucht, Waldwege, Wiesen, Bergpanorama und Schweizer Geschichte auf dem Rütli. Besonders schön ist die Kombination aus Wanderung und Rückfahrt mit dem Schiff.
Praktische Informationen
Hier finden Sie alle Informationen zur Wanderung kompakt zusammengefasst.
Für Sie unterwegs
Noch mehr Inspiration finden
In unserer Blogserie «Unterwegs im Urnerland» teilen Mitarbeitende von Uri Tourismus persönliche Tipps und Lieblingsrouten für Ausflüge in der Region. Jetzt alle Beiträge entdecken – zum Beispiel weitere Wanderideen, Genussmomente und spannende Erlebnisse im Urnerland.