Via Gottardo - Frühlingstour mit historischem Flair

Auf meiner Frühlingswanderung von Amsteg nach Altdorf folgte ich der Via Gottardo entlang der alten Gotthardbahn. Was als einfache Talwanderung begann, entwickelte sich schnell zu einer Tour voller Geschichte, beeindruckender Bauwerke und unerwarteter Begegnungen. Vom geheimen Bunker über historische Türme bis hin zu einem Dinosaurier am Wegesrand. Diese Route zeigt, wie viel Abenteuer direkt vor der Haustür wartet.

Wandern entlang der alten Gotthardbahn

Auch wenn ich mich bestens mit unserem Wanderwegnetz im Urner Unterland auskenne und ich oftmals den einen anderen Touren-Tipp für Freunde und Familie «im Petto» habe, zählt der Frühling für mich zu den herausforderndsten Jahreszeiten, wenn es um Wanderausflüge geht: In den schattigen Talhängen liegt meist noch Schnee oder gewisse Abschnitte von Höhenwanderwegen sind noch mit Schneefeldern durchzogen. Zudem haben viele unserer charmanten Alpbeizlis ihren Sommerbetrieb noch nicht gestartet, was die Verpflegungssituation nicht wesentlich verbessert. Also entschied ich im Urner Reusstal zu bleiben und eine Route zu wählen, die ich bis anhin noch nie so wirklich auf dem Schirm hatte: von Amsteg nach Altdorf. Was auf den ersten Blick eher unspektakulär wirkt, entpuppte sich als abwechslungsreiche und vielseitige Wanderung mit historischem Flair und vielen spannenden Begegnungen. Denn die Via Gottardo (SchweizMobil 7) führt entlang der alten Gotthardbahnstrecke und ist für kurze Nachmittags- aber auch lange Mehrtageswanderungen ideal geeignet. Unterwegs können beeindruckende Viadukte, Brücken und bahntechnische Errungenschaften entdeckt werden. Mit dem Bus von Altdorf nach Amsteg machte ich mich also mit meinem Kamerarucksack und etwas Zwischenverpflegung auf ein Wander-Abenteuer der etwas anderen Art. Nach der 30-minütigen Busfahrt hiess mein erstes Ziel: Zwing Uri.
Ein kurzer Zick-Zack-Weg und gut 20 Minuten später stand ich vor der sagenumwobenen Burgruine aus der Tellsgeschichte. Auf dem Gottardowanderweg zwischen Göschenen und Altdorf säumen über 50 Informationstafeln die Besonderheiten rund um die Urner Bahngeschichte. So erfahre ich zum Beispiel, dass sich im Hügel, zwischen der Zwing Uri und der Bahnlinie der geheime Bundesratsbunker befand. Nebst einem tollen Ausblick auf Silenen und einem sehr einladenden Bänkli sonnten sich auch zig Eidechsen an der sonnenerwärmten Steinmauer. Diese waren sichtlich erstaunt über meinen Besuch, hatten aber praktisch keine Scheu vor meiner Kamera. Ich nehme an, dass die kleinen Reptilien nur selten Besuch erhalten und so die Menschen nicht wirklich als Gefahr ansehen. Ich beschliesse, die Kriechtiere nicht weiter zu stören und kehre dem knapp 10x10m grossen Mauerstumpf den Rücken zu und wandere weiter Richtung Silenen.

Impressionen entlang der Gotthardstrecke

Bevor ich zum ehemaligen Bahnhof Silenen/Amsteg gelange, führt mich die Via Gottardo ins «Dörfli» zum Turm der Edlen Ritter. In dem fünfstöckigen Wohnturm amteten einst die «edlen Freiherren von Silenen» als sogenannte Meier und zogen den Zehnten und die Zinsen für das Kloster ein. Direkt daneben steht die zugehörige Vierzehn-Nothelfer-Kapelle und das Susthaus. Ein typisches Urner Steinhaus – notabene das älteste noch bewohnte Haus im Kanton Uri – welches zur Lagerung und Umlagerung verschiedener Ware verwendet wurde.

Ritterturm, Susthaus und blumige Wiesen

Meine Touren-Highlights

Zwing Uri
Die einsame und verlassene Burgruine, mit dem geschichtsträchtigen Hintergrund
Osterhase
Die unerwartete Begegnung mit dem Osterhasen und die schön dekorierte Forsythie
Bristenstock
Man kann es drehen und wenden wie man will, aber der Bristenstock sieht nun mal auf jedem Foto toll aus
Der Wanderweg verläuft hangseitig und oberhalb der Gemeinde Silenen durch lichte Wälder, offene Weidflächen über kleine Brücken und durch steinige Gassen bis hin zur alten Kriegsbrücke – die Urner Version der Golden Gate Brücke von San Francisco. Auf diesem Wegabschnitt machte ich neben einer imposanten Begegnung mit einem Rotmilan, auch Bekanntschaft mit Eseln, Pferden, Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen und sogar einem Dinosaurier!

Unscheinbare Route mit vielen Entdeckungen

Der Gottardowanderweg führt weiter vorbei am Eisenbahn-Depot in Erstfeld, wo einst Züge rangiert und bereit für den steilen Aufstieg für den Gotthardpass gemacht wurden. Aufgrund der Nähe zum Erstfeldertal und den hohen Gipfeln des Krönten und Gross Spannort verabschiedet sich die Sonne bereits jetzt, gerade als ich die Postkartenszenerie bei der Jagdmatt-Kapelle erreiche. Hier lohnt es sich vor Ort zu sein, wenn das Licht die schöne Kirche von der Seite anstrahlt und so mit dem Bristen im Hintergrund ein traumhaftes Sujet abgibt. Leider bin ich 15min zu spät – wahrscheinlich habe ich zu lange am Rotmilan beim Nestbau zugeschaut und verpasse nun ein tolles Foto. «Dann halt beim nächsten Mal», denke ich mir und wandere gemütlich entlang der Reuss weiter Richtung Attinghausen.
Kurz nach Ripshausen überquere ich die Reuss über die «Ryysboogebriggä», eine wunderschöne Hängebrücke über der Reuss, und gönne mir ein Cappuccino-to-go bei der Gotthardraststätte. Natürlich lasse ich mir es nicht entgehen, in die unzähligen Guck-Löcher der neuen Holzinstallation zu blicken und beobachte dabei, die durchreisenden Besucherinnen und Besucher, welche gespannt die schönsten Ecken von Uri beäugen. Der letzte Abschnitt führt durch die Felshöhlen der «Axenstrasse en miniature» und weiter nach Attinghausen. Zu meiner Freude erscheint die Sonne ein letztes Mal hinter den Bergen und schenkt mir zum Abschluss noch einmal perfekte Lichtstimmungen für ein paar Schnappschüsse. Zufrieden packe ich die Kamera in meinen Rucksack und laufe schliesslich – mit etwas müden Beinen – den letzten Abschnitt des Gottardowanderweg zurück zum Bahnhof Altdorf.
Der untere Teil des Gottardowanderwegs war für mich eine Tour, die unscheinbar beginnt und unterwegs immer mehr zeigt, wie viele kleine Wander-Juwelen im Urner Unterland noch darauf warten, entdeckt zu werden. Auch habe ich bereits beschlossen, den oberen Teil des Gottardowanderwegs von Göschenen nach Amsteg in diesem Jahr noch zu erwandern. Denn dort warten tiefe Schluchten, hohe Zugbrücken und natürlich «z Chiiläli vu Wassä» darauf, einmal aus einem anderen Blickwinkel entdeck zu werden.

Mein Rating (1-10)

Schwierigkeit: 2
Die Wanderung von Amsteg nach Altdorf ist technisch einfach und eignet sich gut als gemütliche Talwanderung ohne grosse Höhenmeter. Dank gut ausgebauter Wege und mehreren Einstiegsmöglichkeiten ist sie auch für weniger geübte Wandernde gut machbar.
Kulinarik: 3
Unterwegs gibt es nur wenige klassische Einkehrmöglichkeiten direkt am Weg, dafür bietet sich bei die Gotthardraststätte für einen kurzen Genussstopp an. Wer unterwegs ist, nimmt am besten eine kleine Zwischenverpflegung mit.
Erlebnis: 8
Überraschend abwechslungsreich. Spannende Bauwerke und Geschichten rund um die Gotthardbahn, tierische Begegnungen und schöne Fotospots machen diese scheinbar unspektakuläre Route zu einer kleinen Entdeckungsreise durchs Urner Unterland.

Praktische Informationen

Ob spontaner Winterausflug oder geplante Tour: Hier finden Sie alle Informationen zur Winterwanderung kompakt zusammengefasst.

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David Arnold
Naturfreund und Projektleiterin Marketing

Zwei Wanderinnen stehen oberhalb eines türkisblauen Bergsees in einer weiten Hochgebirgslandschaft und heben freudig die Arme in die Höhe. Umgeben von grünen Hängen und markanten Gipfeln vermittelt die Szene Freiheit, Freude und ein gemeinsames Naturerlebnis.

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In unserer Blogserie «Unterwegs im Urnerland» teilen Mitarbeitende von Uri Tourismus persönliche Tipps und Lieblingsrouten für Ausflüge in der Region. Jetzt alle Beiträge entdecken – zum Beispiel weitere Wanderideen, Genussmomente und spannende Erlebnisse im Urnerland.

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